FAQ

Hier findest du Antworten auf einige Fragen rund um Tantra, FLINTA* und Queerness. Sollte es noch eine Frage geben, die beantwortet werden sollte, melde dich gerne direkt über das Kontaktformular.

Was bedeutet FLINTA*?

Das Akronym FLINTA* definiert eine Gruppe von Menschen, deren Gemeinsamkeit vor allem in der Repression durch patriarchale Machtdynamiken besteht. Die Buchstaben stehen für „Frauen“, „Lesben“, „Inter“, „Non-Binary“, „Trans“ und „Agender“. Das Sternchen soll jene im Patriarchat marginalisierten Gruppen einschließen, die durch die oben genannten Begriffe noch nicht mitgenannt wurden. Durch FLINTA* sind etwa heterosexuelle cis Frauen mitgemeint, endo cis Männer explizit nicht. Lesben werden explizit erwähnt, da dies als Identität all jene erfasst, die sich unter diesen Begriff zählen, seien es nun cis Frauen, trans Frauen, nicht-binäre Personen oder auch transmännliche Personen, die sich mit dem Begriff „Lesbe“ identifizieren.

Häufig wird der Begriff FLINTA* genutzt, um anzuzeigen, welche Menschen bei Veranstaltungen wie etwa Workshops willkommen sind und für wen der Raum nicht geeignet ist. Der Begriff ist immer wieder umstritten, gerade, wenn er missverstanden wird und Menschen aufgrund von Geschlechtsausdruck und Aussehen beurteilt werden. Der Begriff FLINTA* schließt in unserem Verständnis alle oben genannten Personengruppen ein, unabhängig vom individuellen Aussehen und Geschlechtsperformance. Entscheidend ist die Selbsteinschätzung.

Was ist Tantra (massage)?

Die Tantramassage ist nicht identisch mit Tantra.

Es gibt nicht „das“ Tantra. Ein Versuch einer historischen Einordnung: Die Ursprünge von Tantra liegen in frühgeschichtlichen, matriarchalen Kulturen in einer Spiritualität, welche die Sexualität als Lebens- und Schöpfungskraft feierte. Im Laufe der Geschichte wurden diese Ursprünge verändert, ideologisch überformt, verboten, in Geheimlehren weitergetragen. Es entstanden unzählige Ausprägungen und Sekten, die sich untereinander auch widersprechen können. Es gibt hinduistisch und buddhistisch geprägtes Tantra, traditionelle und weniger traditionelle Ausprägungen. In den 1970ern hatte die Person Osho großen Einfluss auf das Bild von Tantra, das im Westen heute noch vorherrscht und mit dem Begriff „Neo-Tantra“ bezeichnet wird. Vielleicht kann die Essenz des Tantra so zusammengefasst werden: Die Erkenntnis und Erfahrung, dass alle Polaritäten („männlich-weiblich“, Heiliges und Sündhaftes, Körper und Geist, Sexualität und Gebet, Schöpfung und Zerstörung, etc.) letztlich ein und dasselbe sind.

Neo-Tantra: In Kolonialzeiten wurden die ersten tantrischen Texte in westliche Sprachen übersetzt, die damalige moralische Brille ist in der Interpretation erkennbar. Unser Bild von Tantra wird noch immer in Teilen durch einen kolonialisierten Blick geformt. In den 1970ern verstärkte sich auch in westlichen Ländern das Interesse an den tantrischen Traditionen. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Person Osho, der vorher Bhagwan Shree Rajneesh genannt wurde. Er machte Tantra für Menschen aus dem westlichen Kulturraum zugänglicher und kombinierte Elemente verschiedener spiritueller Traditionen mit Übungen aus der Körpertherapie und Bioenergetik. Die neotantrischen Strömungen, welche die tantrische Tradition und westliches Körperarbeitswissen kombinieren, beziehen sich teils auf Osho, teils gehen sie eigene Wege, zumal die Person und die Gruppe um Osho auch kritisch beleuchtet werden müssen.

Die Tantramassage ist neotantrisch inspiriert. Daneben schöpften die Pionier*innen der Tantramassage aus verschiedenen Massagetraditionen, dem Wissen um Intimmassagetechniken, wie sie von Joseph Kramer und Annie Sprinkle vermittelt wurden, anderen Körperarbeitsformen und mischten all das zu einem Mix, aus dem eine Form der Berührung wurde, die Sexualität feiert und Teil einer positiveren Sexualkultur sein kann. Der rituelle Ablauf, der Einbezug des gesamten Körpers, das Willkommenheißen aller Körper- und Emotionsäußerungen sowie die Betrachtung der Sexualität als Lebenskraft machen die Tantramassage zu einem ganzheitlichen Massageerlebnis. Die klare Rollenverteilung in gebende und empfangende Person erlaubt, den eigenen Körper und die eigene sexuelle Energie frei und ohne Druck erforschen zu können und dabei von einer achtsamen, präsenten Person begleitet zu werden, welche den Raum für neue Erfahrungen bereitet und hält.

Warum machen wir das?

Die Tantramassage hat uns selbst tief berührt. Im Lernen tantrischer Massageabläufe, im Empfangen und Geben vieler Tantramassagen durfte sich die Kraft dieses Rituals noch mehr in uns entfalten. Für mich war es Friedensarbeit mit meiner eigenen Körperin. Sie kennenlernen, tiefer zu verstehen, welche Berührungen mir guttun und welche nicht, mein echtes Ja und Nein immer besser spüren und formulieren zu lernen und so mein gesamtes Sein liebevoller annehmen und feiern zu können.

Wir wollen Erfahrungen wie diese noch mehr Menschen zugänglich machen. Safe Spaces wie Räume für FLINTA* ermöglichen es, sich einem herausfordernden Thema zu nähern und sich nicht zusätzlich weiteren herausfordernden Themen stellen zu müssen oder gar in einem anderen Tantramassage-Raum schlicht nicht mitgedacht zu werden. Tantramassage ist für alle Menschen, für alle Körper, für alle Identitäten. Jeder Körperin ist jetzt genau richtig und darf gefeiert, achtsam berührt und mit viel Zeit wertschätzend begleitet werden.

Wir haben erlebt, dass diese Form der Berührung Menschen ermöglichen kann, mehr in Kontakt mit sich selbst zu kommen, besser für die eigenen Bedürfnisse einzutreten (und diese überhaupt wahrzunehmen) und sich selbst und andere liebevoller betrachten zu können. An dieser Stelle ist für mich Tantramassage ein Beitrag zu einem liebevolleren, achtsameren, freieren Ausdruck aller Menschen und insbesondere solcher, die Marginalisierungserfahrungen haben und deren Körper immer wieder objektiviert wurden. FLINTA*-Tantramassage kann uns, die wir in dieser binär und patriarchal geprägten Welt leben, Kraft geben und unsere Körper in ihrer wundervollen Vielfalt feiern. Tantramassage-Workshops für FLINTA sind noch eher rar, wir wollen Tantramassage (noch) queerer machen.

Ich bin eine heterosexuelle cis Frau, darf ich das?

Das Akronym FLINTA* umfasst auch dich als heterosexuelle cis Frau. Du bist herzlich willkommen. Wir wünschen uns, dass du die anderen Buchstaben des Akronyms auf dem Schirm hast, deinen Horizont über die binäre Sichtweise, die uns allen Ortes prägt, erweiterst und allen Anwesenden in der Gruppe wertschätzend begegnest.

Ich bin questioning / unsicher – gehöre ich hierher?

Wenn du dich nicht dem FLINTA*-Akronym zuordnen kannst, sind unsere Workshops vermutlich (noch) nicht der richtige Ort für dich. Entscheidend ist, wie du dich definierst, nicht, wie wir dich lesen. Uns ist aber wichtig, dass du eine FLINTA*-Person bist, wenn du bei uns teilnimmst, denn wir bieten einen sicheren Raum für eben diese Zielgruppe an.

Vielleicht kann dich aber ein offenes Gespräch, Begleitung mit Somatic Experiencing oder auch Sexualberatung unterstützen, mit dir selbst zu deiner Identität in Forschung zu gehen? Oder du besuchst einmal meinen Tagesworkshop „Magie der Berührung“, der ein Einstieg in die Tantramasssage sein kann, buchst eine Tantramassage oder nutzt das Angebot anderer Tantramassage-Schulen. Lass uns dazu gern in Kontakt gehen und herausfinden, was für dich passend sein könnte.

Muss ich nackt sein?

In vielen Tantramassagen sind gebende und empfangende Personen nackt. Das ist aber keine Voraussetzung für eine tantrische Massagebegegnung. Lass so viel oder wenig an Kleidung an, dass du dich wohlfühlst – in beiden Rollen – und kommuniziere dazu mit deinen Massagepartner*innen. Nutze möglichst Kleidungsstücke, die auch ölig werden dürfen. 🙂 Deine Grenzen zu achten, ist Grundlage dafür, dass du dich in die Massage hinein entspannen kannst.

Sicherer Raum oder Safer Space?

Wir bemühen uns in unseren Veranstaltungen, eine immer inklusivere Umgebung zu schaffen . Uns ist bewusst, dass unsere Räume nicht triggerfrei sein können, dass wir auch nicht alle Aspekte von Diskriminierung immer auf dem Schirm haben können. Wir wollen mit diesem Wissen aber möglichst verantwortungsbewusst umgehen, laden ein, mit uns in Kontakt zu gehen und den Raum für die anwesenden Personen gemeinsam möglichst sicher zu gestalten.